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Über die Stücke

L'Invitation à l'Errance
"errer", oder "errance" ist ein beliebtes Thema in der französischen Kunst und es wird meistens als ein ästhetisches Image behandelt. Der Titel habe ich aus "L'Invitation au Voyage" von Baudelaire abgeleitet. Mit dem Gallichon spiele ich mit dem traditionellen arabischen Rhythmus "nawakht" im 7/4 Takt. Rasgueados (sehr schnelle Wiederholung der Akkorde) ist eine typische Spieltechnik der Flamencogitarre, aber Lautenisten im 17. Jh. verwendeten auch ähnliche Technik.

Le Vent d'Incertitude
Hier spiele ich Oud – Die Königin der Instrumente der arabischen Musik – Im arabo-andalusischen Stil. Arabische Musik besteht auf der Theorie vom sog. Maqam und wie bereits beschrieben werden viele mikrotonale Intervallen verwendet. Ein Maqam "hijaz", der in diesem Stück gespielt wird, ist auch ein gutes Beispiel. Der zweite Ton auf dieser Tonskala ist ein wenig höher als westlicher Halbton und der dritte Ton ist ein wenig tiefer als westlicher 1 1/2 Ton Intervall.

Passacaille
In diesem Stück hören Sie Laute – Königin der Instrumente in der europäischen Musik bis 17. Jh. Passacaille war Musikform, die bis 18. Jh. verwendet wurde. Hier wird ein mittelalterliches Motiv nach ziemlich moderner Art variiert.

Notre-Dame Retrouvèe
Ich spiele mittelalterliche Modi (Kirchentonart) aus dem 11. und 12. Jh. mit dem Oud. Nach jedem 2 bis 4 Takte wechselt sich der Modus.

Hymne à la Beauté
"…Ob du vom Himmel, ob du aus der Hölle kommst, gleichviel, o Schönheit! du Ungeheuer, gewaltig, erschreckend, doch ohne Arglist!..."
(Aus "Hymne à la Beauté", Charles Baudelaire)
Ich komponierte das Stück mit dem Konzept: Ob man E-Gitarre, die mit der Rockmusik direkt assoziiert wird, als Kunstmusik gespielt werden könnte. Ich kombinierte Elemente vom Heavy-Metal und arabo-andalusiche Musik durch antik-griechische Rhetorik. In der zweiten Hälfte wird Techniken der Flamencogitarre oft verwendet.
Ich spiele 7-saitige Xiphos von Ibanez.

Milonga à la Frontière
Milonga ist eine Form des argentinischen Tangos und der punktierte Rhythmus ist charakteristisch. Milonga wird meistens sehr temperamentvoll gespielt und getanzt. Hier spiele ich Milonga wie z.B. "Milonga del Angel" von Astor Piazzolla, der Tangomusik revolutioniert hat, mit einem sehr langsamen Tempo. Ich habe hier versucht, Kontraste der Leidenschaft und Melancholie, Hoffnung und Verzweiflung auszudrücken, die Tango ausprägen.

La Conteuse
Die erste Hälfte des Stückes ist ein Taksim (Improvisation nach dem System der arabischen Musik). In der zweiten Hälfte wird ein Rhythmus Chiftetelli gespielt, der rituellen Charakter hat.

Au Cœur du Riad
Riad ist ein traditionell marokkanisches Wohnhaus, deren Räume um den Innengarten umgebend angeordnet sind und es gibt viele Riads, die künstlerisch, handwerklich wertvoll sind. Es gibt auch viele Riads, die so umgebaut sind, dass sie Gäste empfangen können. Geschmackvoller Innengarten, wunderbare traditionelle Handwerkskunst in und um die Räume und herzlicher Umgang mit den Gästen – Ich finde viele Parallele mit den traditionellen Ryokans in Japan. Dieses Stück ist während des Aufenthalts in einem Riad in Marrakesch entstanden.

Le Dodo
"Dodo" heisst in französischer Kindersprache "Schlaf" oder "Bett". Viele Wiegenlieder beginnen mit "Do Do". Darstellen wollte ich ein Ort mit absoluter Geborgenheit . Aber beachten Sie bitte – Die absolute Geborgenheit kann man nur wahrnehmen, wenn man das Gegenteil von Geborgenheit kennt…

Naochika Sogabe

 

Les Deux Reins –
Die zwei Königinnen

Oud ist ein Zupfinstrument aus dem Orient. Der Ursprung von Oud liegt sehr weit zurück und gleichartige Instrumente gab es bereits bei den Sumerern, den Babyloniern und im alten Ägypten. Durch Seidenstraße wurde Oud weit verbreitet und von der europäischen Laute bis zur japanischen Biwa, zahlreiche Saiteninstrumente haben Oud als ihren Ursprung. Im arabischen Kulturraum wird Oud heute als König der Instrumente in den unterschiedlichsten Musikrichtungen gespielt. Wegen meines kulturellen Hintergrundes verwende ich "Königin" für den Titel des Albums statt "König".

Oud hat einen eiförmigen Korpus und der Wirbelkasten ist nach hinten abgeknickt. Meistens hat Oud drei Schallöcher und sie sind mit den Rosetten versehen. Wie Violine oder Cello hat Oud keine Bünde und es ermöglicht bei der arabischen Musik charakteristische mikrotonale Intervallen (Tonabstände, die kleiner als Halbton sind) zu spielen. Durch die verschiedenen Winkeln, Stärke und Bewegungen der Fingerspitze, die die Saiten greifen, kann man auch vielfältige Klänge und Nuancen ausdrücken.

Oud fand ihren Weg nach Europa entweder durch Kreuzfahrer oder über das maurische Spanien. Der Name "Laute" stammt aus dem arabischen Wort für Oud mit dem Artikel "al'ud" und ursprünglich gab es keine Unterscheidung zwischen Oud und Laute. In den folgenden Jahrhunderten wurden "Oud in Europa" für die europäische Musik angepasst und Ende 15 Jh. wurde von uns bekannte europäische "Laute" entstanden.

Während der Renaissance galt die Laute Königin der Instrumente und wurde für alle Musikrichtungen verwendet. In einem Manuskript in Paris ist eine Liste der damals in Paris aktiven professionellen Lautenisten zu sehen und dort sind über 40(!) Namen u finden.
Ab dem 18. Jh., mit der Veränderung des Musikstils in Europa verlor Laute ihre Bedeutung und heute gibt es nicht ganz wenige Menschen in Europa, die nicht mal ihren Namen kennt. Es passiert mir immer wieder, dass bei den Vorführungen erklären muss, dass es sich nicht um ein japanisches Instrument handelt… Die Tradition der meisten Instrumente, die aus Oud stammen, wird von Marokko bis Japan, bis heute erhalten geblieben und sie spielen wichtige Rolle in der Musik in jeweiliger Kultur. Ich finde es sehr bedauerlich, dass dieses Instrument in Europa ein Mal in Vergessenheit geriet.

Gallichon ist ein Nachfolger der Barocklaute und wurde zwischen 18. und 19. Jh verwendet. Ein später Erbe des Gallichon ist die Gitarrenlaute, die während der Wandervogelbewegung im frühen 20. Jh. Sehr beliebt war. Ende des 19. Jh. wurden zahlreiche Gallichons als Gitarrenlaute umgebaut – Doppelsaitige Besaitung wurde einzelsaitig, Darmbünde wurden mit Metallbünde ersetzt. Lauten, die heute bei den zahlreichen Mittelaltermärkten zu sehen, sind meistens diese Gitarrenlaute.

 

 

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